Ein vermoostes oder stark verschmutztes Eternitdach wirkt auf den ersten Blick wie ein typischer Fall für den Hochdruckreiniger. Bei alten Faserzementplatten ist diese Vorgehensweise jedoch problematisch. Wurde das Dach vor dem gesetzlichen Asbestverbot hergestellt, kann es Asbest enthalten. Der harte Wasserstrahl kann die verwitterte Oberfläche angreifen, Fasern freisetzen und asbesthaltiges Material über das Abwasser, den Sprühnebel oder die Umgebung verteilen.
Deshalb gilt: Ein altes Eternitdach sollte nicht eigenständig mit dem Hochdruckreiniger gereinigt werden. Vor jeder Maßnahme muss geklärt werden, ob Asbest vorhanden ist und welche Arbeiten rechtlich und technisch zulässig sind.
Warum alte Eternitplatten Asbest enthalten können
„Eternit“ wird im Alltag häufig als Bezeichnung für Faserzementplatten verwendet. Der Markenname sagt allein jedoch nicht, ob ein Bauteil asbesthaltig ist. In älteren Platten wurde Asbest als Verstärkungsfaser eingesetzt. Später kamen asbestfreie Faserzementprodukte auf den Markt.
Das Baujahr kann einen wichtigen ersten Hinweis liefern. Nach der Gefahrstoffverordnung kann bei Gebäuden, mit deren Bau nach dem 31. Oktober 1993 begonnen wurde, in der Regel vermutet werden, dass kein Asbest vorhanden ist. Diese Vermutung ersetzt bei älteren Gebäuden jedoch keine fachliche Prüfung. Auch Umbauten, Lagerbestände oder fehlende Unterlagen können die Beurteilung erschweren.
Am Aussehen lässt sich Asbest nicht zuverlässig erkennen. Farbe, Profil, Oberflächenstruktur und Verwitterungsgrad reichen für eine sichere Beurteilung nicht aus. Bei Unsicherheit sollte die Fläche deshalb nicht bearbeitet werden, bis eine geeignete Fachperson den Sachverhalt bewertet hat.
Was ein Hochdruckreiniger an Asbestzement bewirken kann
Ein Hochdruckreiniger arbeitet mit einem konzentrierten Wasserstrahl. Bei einer stabilen, nicht schadstoffbelasteten Oberfläche kann das für die Reinigung sinnvoll sein. Bei alten, verwitterten Asbestzementplatten entstehen jedoch mehrere Risiken:
- Oberflächenabtrag: Der Wasserstrahl kann die Zementmatrix der Platte angreifen und Material lösen.
- Faserfreisetzung: Wird die Bindematrix beschädigt, können asbesthaltige Partikel und Fasern freigesetzt werden.
- Verteilung über Sprühnebel: Feine Tröpfchen und abgelöste Bestandteile können in die Umgebung gelangen.
- Belastetes Abwasser: Das ablaufende Wasser kann asbesthaltige Sedimente aufnehmen und in Dachrinnen, auf Flächen oder in die Kanalisation transportieren.
- Schädigung der Platten: Poröse oder bereits rissige Platten können durch den Druck weiter beschädigt werden.
- Unkontrollierte Ausbreitung: Nachbarn, Passanten, Fahrzeuge, Fassaden und Gartenbereiche können durch Spritzwasser oder Ablagerungen betroffen sein.
Das Problem ist nicht nur der sichtbare Schmutz. Auch wenn eine Fläche nach der Reinigung sauber aussieht, lässt sich daraus nicht ableiten, dass keine Fasern freigesetzt oder verteilt wurden.
Ist das Reinigen eines Asbestzementdachs erlaubt?
Arbeiten an asbesthaltigen Bauteilen unterliegen in Deutschland besonderen Anforderungen. Die Gefahrstoffverordnung und die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 519 unterscheiden unter anderem nach Tätigkeit und Risikobereich. Eine Reinigung oder Beschichtung nicht vollflächig beschichteter Asbestzementdächer ist ausdrücklich nicht von den allgemeinen Ausnahmen für bestimmte Tätigkeiten ausgenommen.
Das bedeutet nicht, dass jede denkbare Maßnahme automatisch gleich behandelt wird. Entscheidend sind unter anderem der Zustand der Platten, das eingesetzte Verfahren, die mögliche Faserfreisetzung und die konkreten Schutzmaßnahmen. Die Beurteilung gehört in die Hände eines hierfür qualifizierten Fachbetriebs. Ein gewöhnlicher Dachdecker- oder Gebäudereinigungsauftrag ersetzt diese Prüfung nicht.
Für gewerbliche Tätigkeiten gelten zusätzlich Anforderungen an Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsplan, Fachkunde, Aufsicht, Anzeige sowie technische und persönliche Schutzmaßnahmen. Auch private Eigentümer sollten asbestverdächtige Platten nicht selbst reinigen, bohren, schleifen, brechen oder mit Werkzeugen bearbeiten. Die Schutzpflichten zur Vermeidung und Minimierung einer Faserfreisetzung gelten auch im privaten Bereich.
Warum Moos und Algen nicht das einzige Problem sind
Moos, Algen und Flechten lassen ein Dach ungepflegt erscheinen und können Feuchtigkeit speichern. Bei alten Faserzementplatten ist die Verschmutzung jedoch häufig mit einer bereits gealterten Oberfläche verbunden. Die Platte kann porös, rissig oder an den Kanten beschädigt sein. Eine aggressive Reinigung beseitigt dann zwar den sichtbaren Belag, verschärft aber möglicherweise den Materialabtrag.
Hinzu kommt: Das Betreten alter Dachplatten ist selbst ein Risiko. Asbestzement ist zwar fest gebunden, kann aber bei unsachgemäßer Bearbeitung oder Beschädigung Fasern freisetzen. Außerdem können Platten unter Belastung brechen. Arbeiten auf solchen Dächern erfordern daher nicht nur einen sachgerechten Umgang mit Gefahrstoffen, sondern auch eine sichere Beurteilung der Absturz- und Durchbruchgefahr.
Was Eigentümer stattdessen tun sollten
1. Reinigung zunächst stoppen
Wenn ein altes Eternitdach bereits mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet wurde, sollte die Arbeit beendet werden. Nicht weiter nachspülen, nicht fegen und keine getrockneten Rückstände mit Druckluft oder einem Laubbläser verteilen. Personen und Haustiere sollten den betroffenen Bereich nach Möglichkeit meiden.
2. Bauunterlagen und Baujahr prüfen
Rechnungen, Bauakten, Herstellerangaben oder Sanierungsunterlagen können Hinweise auf das Material geben. Sie sind hilfreich, aber nicht immer vollständig. Fehlen eindeutige Informationen und stammt das Dach aus einer Zeit, in der Asbestzement üblich war, sollte vorsorglich von einem möglichen Asbestverdacht ausgegangen werden.
3. Fachliche Bewertung veranlassen
Ein qualifizierter Fachbetrieb kann den Zustand des Dachs, die geplante Tätigkeit und die erforderlichen Schutzmaßnahmen bewerten. In bestimmten Fällen kann zusätzlich eine Materialprobe durch eine geeignete Stelle erforderlich sein. Proben sollten nicht eigenständig entnommen werden, weil bereits das Bohren, Brechen oder Abtragen eine Faserfreisetzung verursachen kann.
4. Sanierung oder Demontage abwägen
Bei stark verwitterten, beschädigten oder dauerhaft problematischen Platten ist eine Reinigung oft nicht die sinnvollste Lösung. Je nach Zustand kommen eine fachgerechte Demontage und Entsorgung oder andere zulässige Maßnahmen in Betracht. Welche Option geeignet ist, hängt vom Dachaufbau, Zustand, Nutzungszweck und den geltenden Schutzanforderungen ab.
CB Sanierung übernimmt nach eigenen Angaben Projekte in ganz Deutschland und ist auf Asbestsanierung, Asbestdemontage, Asbestentsorgung und Schadstoffrückbau spezialisiert. Informationen zum Leistungsumfang finden Sie auf der Seite zur Asbestsanierung.
Was nach einer bereits erfolgten Hochdruckreinigung wichtig ist
Wurde ein verdächtiges Eternitdach bereits gereinigt, sollte die Situation nicht verharmlost, aber auch nicht voreilig bewertet werden. Wichtig sind möglichst genaue Angaben:
- Wann wurde die Reinigung durchgeführt?
- Welche Fläche und welche Platten wurden bearbeitet?
- Wurde mit Hochdruck, Bürsten, Fräsen oder anderen Geräten gearbeitet?
- Wo ist das Reinigungswasser hingelaufen?
- Gab es sichtbare Beschädigungen, Risse oder abgelöste Bestandteile?
- Wurden Dachrinnen, Hofflächen oder Fassaden mitgereinigt?
Diese Informationen helfen einem Fachbetrieb bei der Einschätzung. Betroffene Flächen sollten nicht trocken nachgereinigt werden. Auch das Aufsammeln oder Verpacken möglicher Plattenstücke sollte nur nach fachlicher Anweisung erfolgen. Asbesthaltige Abfälle gehören nicht in den Hausmüll, Bauschuttcontainer oder in die normale Wertstoffsammlung.
Warum eine fachgerechte Asbestentsorgung notwendig ist
Asbestzementplatten müssen bei einer Demontage möglichst zerstörungsfrei behandelt, gesichert und entsprechend den geltenden Vorgaben transportiert und entsorgt werden. Das Ziel ist, eine Faserfreisetzung und die Verschleppung kontaminierter Materialien zu verhindern.
Die Entsorgung ist deshalb mehr als das Abfahren alter Dachplatten. Sie umfasst die Beurteilung des Materials, die Planung der Arbeiten, geeignete Schutzmaßnahmen, die sichere Verpackung und die Übergabe an eine dafür vorgesehene Entsorgungsstelle. Mehr zum Thema finden Sie auf der Seite zur Asbestentsorgung.
Häufige Fragen zum Reinigen alter Eternitdächer
Kann ich ein Eternitdach mit einem normalen Gartenschlauch reinigen?
Bei einem asbestverdächtigen Dach sollte auch das vermeintlich schonende Abspritzen nicht eigenständig erfolgen. Wasser reduziert zwar grundsätzlich Staub, verhindert aber nicht automatisch den Abtrag von Material, die Verteilung über Abwasser oder Risiken durch das Betreten der Fläche.
Kann eine Schutzbeschichtung das Problem lösen?
Eine Beschichtung kann je nach Material, Zustand und Verfahren eine mögliche Instandhaltungsmaßnahme sein. Sie ist jedoch keine einfache Do-it-yourself-Lösung. Vorbereitende Reinigungsarbeiten können selbst eine Faserfreisetzung verursachen und müssen entsprechend geplant werden. Außerdem darf eine Beschichtung spätere Erkennung oder eine spätere vollständige Entfernung nicht unzulässig erschweren.
Ist jedes alte Eternitdach automatisch gefährlich?
Nein. Von intakten, fest gebundenen Asbestzementprodukten geht im bestimmungsgemäßen Zustand in der Regel deutlich weniger Risiko aus als bei beschädigten oder bearbeiteten Platten. Das Risiko steigt jedoch, sobald die Oberfläche verwittert, beschädigt oder mechanisch beziehungsweise mit hohem Wasserdruck bearbeitet wird.
Wer darf die Arbeiten durchführen?
Das hängt von der konkreten Tätigkeit und dem Risikobereich ab. Tätigkeiten mit Asbest erfordern geeignete fachliche, organisatorische und sicherheitstechnische Voraussetzungen. Eigentümer sollten deshalb einen entsprechend qualifizierten Fachbetrieb beauftragen und sich vor Beginn erklären lassen, wie die Arbeiten geplant und abgesichert werden.
Fazit: Alten Eternitplatten nicht mit Hochdruck zu Leibe rücken
Ein Hochdruckreiniger kann bei alten Asbestzementplatten mehr Probleme schaffen, als er löst. Der Wasserstrahl kann die Oberfläche beschädigen, asbesthaltige Bestandteile freisetzen und belastetes Wasser oder Sprühnebel in der Umgebung verteilen. Auch das Betreten und die spätere Reinigung von Rückständen sind nicht ohne Risiko.
Wer ein altes Eternitdach reinigen oder sanieren lassen möchte, sollte daher zuerst den Asbestverdacht klären und die geplante Maßnahme fachlich bewerten lassen. Bei beschädigten oder stark verwitterten Platten kann eine fachgerechte Demontage mit anschließender Entsorgung die sicherere und langfristig sinnvollere Lösung sein. Für eine Anfrage zur Kontaktaufnahme mit CB Sanierung stehen die Kontaktdaten des Unternehmens zur Verfügung.
